Mensch und Natur Verbindung: Warum wir die Beziehung neu denken müssen

Hands placing a plastic bottle on soil beside blooming flowers and butterflies at sunset, symbolizing human-nature connection.

Die Mensch und Natur Verbindung ist gestört: Jahr für Jahr verbrauchen wir die natürlichen Ressourcen von 1,7 Erden, gleichzeitig landen etwa zehn Millionen Tonnen Plastikmüll in unseren Ozeanen. Im Anthropozän gibt es tatsächlich keinen Fleck auf der Erde mehr, der von der Menschheit unberührt ist. Selbst in der Tiefsee und Arktis finden sich Spuren unserer Zivilisation.

Deshalb müssen wir unsere Beziehung zur Natur grundlegend neu denken. In diesem Artikel zeigen wir, warum unsere bisherige Sichtweise gescheitert ist und wie wir eine echte Partnerschaft mit der Natur aufbauen können.

Die Entfremdung zwischen Mensch und Natur

Das Shifting-Baseline-Syndrom

Jede Generation definiert neu, was „normal“ ist. Der Meeresbiologe Daniel Pauly beschrieb 1995 dieses Phänomen erstmals im Zusammenhang mit Fischbeständen. Ältere Fischer nahmen den Rückgang deutlicher wahr als ihre jüngeren Kollegen, die depleted Bestände bereits als Ausgangspunkt ihrer Karriere kannten. Diese kollektive Wahrnehmungsverschiebung betrifft alle Bereiche: Kinder geraten nicht in Sorge über fehlende Schmetterlinge, weil sie einen anderen Ausgangspunkt in ihren Umwelterfahrungen haben. In Texten aus dem 19. Jahrhundert wird beschrieben, dass bei Wanderungen über Wiesen bei jedem Schritt Schmetterlinge aufgeschreckt wurden. Eine Wiese mit zehn Schmetterlingen gilt uns bereits als naturnah.

Die Folgen sind weitreichend. Etwa 80 % der kindlichen Naturverbundenheit gehen auf familiäre Einflüsse zurück. Eltern mit geringer Naturverbundenheit vermitteln diese Distanz unbewusst an ihre Kinder. Seit 1850 ist die Mensch und Natur Verbindung um rund 60 % zurückgegangen. Parallel zur Industrialisierung und Urbanisierung wohnen mittlerweile über 80 % der Menschen in stark urbanisierten Räumen.

Verlust der Artenvielfalt im Alltag

Der Weltbiodiversitätsrat schätzt die Lage dramatisch ein: Weltweit könnte in naher Zukunft eine Million Arten aussterben. Das Artensterben geht bis zu einhundertmal schneller voran als in den letzten zehn Millionen Jahren. Innerhalb von 27 Jahren ist die Biomasse an Insekten um mehr als 75 % zurückgegangen. In den vergangenen 42 Jahren starben in Europa über 600 Millionen Vögel aus.

Der Haupttreiber ist die Art, wie wir Land und Ozean seit Jahrzehnten nutzen. 85 % der Feuchtgebiete sind bereits verlorengegangen, 75 % der Landfläche und 66 % der Meere hat ein Mensch bereits verändert. Beispielsweise leiden Schmetterlinge, Wildbienen und Käfer unter Monokulturen und Pestiziden.

Natur als selbstverständlich wahrgenommen

Die Beziehung zwischen Mensch und Natur ist verstummt. Wir sehen uns als der Natur überlegen an, wahrnehmen sie als lebloses Objekt und frei verfügbare Ressource. Dass natürliche Ressourcen endlich sind, blenden wir in dieser Weltsicht aus. Die Zerstörung berührt uns nicht, sondern wird als normaler Zustand angesehen.

Diese Entfremdung zeigt sich konkret: Wir halten nie an der Busstation inne, um die Sträucher anzusehen, wissen nicht, welche Vögel an unserer Strasse leben, denken nie an die Fotosynthese, die täglich um uns herum stattfindet. Zunehmend entwickelt sich Biophobie. Angst, Ekel und Ablehnung gegenüber der Natur nehmen in vielen Weltregionen zu. Menschen, die sich in natürlichen Umgebungen unwohl fühlen, besuchen Schutzgebiete seltener und unterstützen Naturschutzmassnahmen entsprechend seltener.

Der Mensch im Anthropozän

Der Mensch ist spätestens seit der industriellen Revolution zum bestimmenden Faktor für das globale Ökosystem geworden. Umweltauswirkungen betreffen den ganzen Planeten und sind mit allen Geoprozessen der Erde verwoben. Im Anthropozän handelt der Mensch immer im planetaren Massstab. Rund 12 % der Vogelarten, 20 % der Säugetiere, 29 % der Amphibien und 33 % der Nacktsamer unter den Pflanzen waren 2007 bedroht. Die Bestände der in den Agrarlandschaften Europas heimischen Brutvogelarten haben von 1980 bis 2009 um fast 50 % abgenommen.

Warum unsere bisherige Beziehung zur Natur gescheitert ist

Natur als Objekt und Ressource

Unsere Verfassungsordnung versteht die Natur als ein Objekt, das wir bewahren müssen. Diese Grundhaltung findet sich in Artikel 20a Grundgesetz: Der Staat schützt die natürlichen Lebensgrundlagen nur objektiv-rechtlich. Weder Natur noch Menschen können daraus subjektive Rechte ableiten. Der Natur ist es folglich nicht möglich, ihren Schutz von Gesetzgebern und Verwaltungen rechtlich einzufordern oder vor Gerichten einzuklagen.

In Industriegesellschaften gilt die Natur als blosses Mittel oder Ressource mit rein instrumentellem Wert für die Menschen. Der Mensch bedient sich reichlich: Rund 50.000 wilde Tier-, Pflanzen- und Pilzarten nutzt er für seine Zwecke. Die direkte Nutzung und Übernutzung durch den Menschen ist ein entscheidender Grund für den Rückgang der Biodiversität weltweit. Clayton und Myers haben untersucht, wie verschiedene Gesellschaften ihre Beziehung zur Natur definieren. Ihre Analyse zeigt: Nur Gesellschaften mit einer ökozentrierten Weltsicht sind bislang wirklich nachhaltig mit den Ressourcen der Natur umgegangen.

Die unidirektionale Sichtweise

Demnach wird Natur aus einer Distanz heraus wahrgenommen, die ihren Wert allein aus ihrem Beitrag bezieht, den sie zur Sicherung der menschlichen Lebensbedingungen liefert. Diese Beziehungen wurden nur unidirektional verlaufend und nur von der Natur zu Menschen gefasst. Was wir von der Natur erhalten, vergelten wir ihr in der Regel nicht, sondern denjenigen, die die Eigentumsrechte halten.

Der Begriff der Landschaftsdienstleistungen kennzeichnet die Natur als Dienerin des Menschen. Die Dienstleistungsmetapher hat eine ökonomische Dimension: Wo eine Leistung ist, gibt es meist einen Markt. Auf einem Markt gelten Preise, die sich nach Angebot und Nachfrage richten. Allerdings entzieht sich die komplexe Mensch-Natur-Beziehung einem unidirektionalen und dominierend quantitativ gefassten Messsystem von Wert.

Grenzen der Messbarkeit von Werten

Die Monetarisierung reduziert Dinge auf ihren Tauschwert. Die Schwierigkeit im Ermitteln von Landschaftsdienstleistungen besteht darin, qualitative Werte in messbare umzumünzen. Im gängigen Wortgebrauch unterscheiden wir zwischen einem moralisch-sittlichen Wert, einem ästhetischen und einem auf Nutzen ausgerichteten. Die Kommodifizierung zieht eine künstliche Trennlinie durch die Natur, die in marktfähige und nicht-marktfähige Teile zerlegt wird.

Angesichts des progressiven Artensterbens, des dynamischen Klimawandels und der Vermüllung lässt sich schlicht nichts Nachhaltiges mehr sagen. In diesen Bereichen haben wir längst den Punkt verpasst, an dem das konservative Nachhaltigkeitsprinzip noch hätte greifen können.

Distanz statt Verbundenheit

Der Hauptgrund für diese Verschlechterung liegt darin, dass immer mehr Menschen immer weniger Kontakt zur Natur haben. Menschen leben im Durchschnitt 9,7 km von einem Naturgebiet entfernt, was einer Vergrösserung der Distanz um 7 % gegenüber dem Jahr 2000 entspricht. In Deutschland beträgt diese durchschnittliche Entfernung etwa 22 Kilometer.

Kinder wachsen zunehmend in hochversiegelten, naturfernen Umgebungen auf und verbringen ihre Zeit vor allem in Innenräumen und digitalen Umgebungen. Hier fehlen die körperlich-sinnlichen Erfahrungen wie Klettern, sich dreckig machen oder Tiere beobachten. Diese Erfahrungen bauen eine Vertrautheit mit der Natur auf. Fehlen sie, fühlt sich Natur fremd an. Die Bereitschaft, sich für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz stark zu machen ist grösser, wenn wir uns als mit der Natur verbunden erleben.

Grundlagen einer neuen Mensch-Natur-Beziehung

Um die Mensch und Natur Verbindung zu erneuern, brauchen wir eine grundlegend andere Basis. Das Konzept der relationalen Werte bietet einen Ausweg aus der bisherigen Zweiteilung und macht die komplexe Beziehung zwischen Mensch und Natur über Präferenzen, Prinzipien und Tugenden des lokalen Kontextes erkennbar. Forscher am ISOE Institut für sozial-ökologische Forschung haben vier zentrale Prinzipien entwickelt, die den Weg zu einer neuen Partnerschaft weisen.

Beziehungen in den Mittelpunkt stellen

Das erste Prinzip besagt, die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Natur in den Mittelpunkt zu stellen, sie also in unsere Lebenswelt zurückzuholen und ihre Bedeutung zu respektieren. Folglich geht es nicht mehr darum, Natur als Objekt zu betrachten, sondern die Beziehung selbst als Inhalt und Zweck der Wertung zu verstehen. Diese Perspektive entzieht sich radikal aufgeteilter Sichtweisen, da die Beziehung die Art der Verbindung beschreibt und diese individuell beeinflusst.

Die Vision der Mensch-Natur-Partnerschaft setzt voraus, dass sich beide Seiten quasi auf Augenhöhe begegnen und mit jeweils eigener Stimme zueinander sprechen können. Werte wie Mitgefühl und Fürsorge stehen im Mittelpunkt, Natur wird als lebendige Rechtsperson mit Eigenwert anerkannt. In Neuseeland wird dieses Prinzip bereits praktiziert, wo bestimmte Naturräume Rechtspersönlichkeit erhalten haben.

Koexistenz ermöglichen

Koexistenz bedeutet, dass Menschen und Wildtiere einen gemeinsamen Lebensraum teilen und die jeweiligen Interessen und Bedürfnisse erfüllt werden. Unser Handeln ist dafür verantwortlich, wie friedlich oder konfliktreich unsere Beziehungen zur Tierwelt sind. Politische Ansätze müssen auf langfristige Koexistenz zielen, sowohl verschiedener gesellschaftlicher Gruppen als auch nichtmenschlicher Subjekte.

Die Kampagne „Respektiere deine Grenzen“ zeigt, wie Aufklärung und Information Menschen für die Bedürfnisse von Flora und Fauna sensibilisieren. Wer die komplexen Zusammenhänge und Wechselwirkungen versteht, zeigt normalerweise Respekt vor der Natur und ihren Bewohnern. Durch die Einbindung der lokalen Bevölkerung in den Natur- und Artenschutz wird sichergestellt, dass die Lösungen nachhaltig sind und sowohl Menschen als auch Wildtieren zugutekommen.

Grenzen anerkennen und respektieren

Dieses Prinzip greift die Endlichkeit unserer Ressourcen auf dem Planeten auf, die unserer aktuellen Lebens- und Wirtschaftsweise völlig widerspricht. Sechs der neun planetaren Belastungsgrenzen sind bereits überschritten. Die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse darf nicht jene anderer beschneiden. Innerhalb der Grenzen zu bleiben bedeutet nicht Verzicht, sondern Innovation, Effizienz und Resilienz.

Mit Komplexität umgehen lernen

Unser Einfluss auf die Erd- und Ökosystemfunktionen ist hochkomplex. Systems Literacy, auch Systemkompetenz genannt, beschreibt die Fähigkeit, ein komplexes Gebilde in seiner Struktur und seinem Verhalten zu erkennen, zu beschreiben und zu modellieren. Verschiedene Treiber von Ökosystemveränderungen addieren sich nicht einfach, sondern wirken meist synergetisch und verstärken sich gegenseitig.

Notwendig ist ein reflektierter und transparenter Umgang mit Unsicherheit und unterschiedlichen Problembeschreibungen, aber auch Offenheit gegenüber alternativen Gestaltungszielen. Die Beziehung zu uns selbst bildet die Grundlage für die Beziehung zu Menschen und zur Welt. Eigene Stärken und Schwächen sollen als Ressourcen erkannt werden, um die eigenen Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und das eigene Handeln zu reflektieren.

Konkrete Wege zur Wiederverbindung

Die Wahrnehmung, dass ein grundlegender Wandel nötig ist, hat in der Bevölkerung deutlich zugenommen. Im Jahr 2023 sind fast drei Viertel der Erwachsenen von der Dringlichkeit überzeugt, verglichen mit 60 Prozent in 2021. Der Indikator für gesellschaftliches Bewusstsein für biologische Vielfalt stieg von 25 Prozent auf 38 Prozent. Diese Bereitschaft bietet die Grundlage für konkrete Schritte zur Wiederverbindung.

Der eigene Garten als Beziehungsraum

Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung besitzt einen Garten. Naturgärten verbinden dabei die Bedürfnisse von Menschen mit jenen anderer Lebewesen. Ein solcher Garten besteht aus unterschiedlichen Flächen: Asthaufen locken Igel an, Teiche ermöglichen Libellenbeobachtungen, Blumenwiesen und Wildhecken ergänzen das Angebot. Pro Natura bietet kostenlose Beratungen an, um Privatpersonen bei der Naturförderung im eigenen Garten zu unterstützen. Zertifizierungsprogramme bewerten naturnahe Lebensräume und zeichnen Gärten mit bis zu drei Schmetterlingen aus.

Blick für Details entwickeln

Naturbeobachtung schärft unsere Wahrnehmung und stärkt die Mensch und Natur Verbindung. Zehntausende nutzen bereits Plattformen wie ornitho.de oder NABU-naturgucker-beobachtungen.de. Der entstehende Datenbestand erweitert naturkundliche Kenntnisse und unterstützt Naturschutzmassnahmen. Die NABU|naturgucker-Akademie vermittelt fundiertes Arten- und Lebensraumwissen.

Naturerfahrungen im urbanen Raum

Städtische Grünräume fördern nachweislich die Erholung und sind für das Wohlbefinden entscheidend. Naturerfahrungsräume sind grossflächige, naturbelassene Freiräume ohne vorgegebene Spielelemente. Langjährige Untersuchungen zeigen, dass freies Spielen in der Natur Körperbeherrschung, Kreativität sowie Risiko- und Sozialkompetenz fördert. Folglich ist der alltägliche Umgang mit natürlichen Elementen im direkten Wohnumfeld für eine gesunde Entwicklung erforderlich.

Bildung und Bewusstseinsbildung

WWF-Ferienlager bieten Kindern und Jugendlichen lehrreiche Stunden in der Natur. Das CAS Naturbezogene Umweltbildung erweitert Fachwissen in Naturpädagogik und Didaktik. Die Kurse richten sich an Lehrpersonen, Erwachsenenbildner und Quereinsteiger. Lernen in der Natur bedeutet, Prozesse zu nachhaltigem Handeln anzustossen und zu begleiten.

Partizipation aller Akteure

Partizipation erfasst unterschiedliche Ansprüche und Nutzungsinteressen, um Konflikte zu vermeiden. Eine umfassende Partizipation eröffnet allen Bevölkerungsgruppen Beteiligungs- und Berücksichtigungschancen. Die Zahl der Freiwilligen bei Pro Natura nahm zwischen 2015 und 2021 um 33 Prozent zu. Entsprechend leisteten über 4400 Freiwillige mehr als 89.000 Stunden unentgeltliche Arbeit. Die Erhaltung der Biodiversität erfordert die Beteiligung der gesamten Gesellschaft und aller Wirtschaftssektoren.

Die Vision der Mensch-Natur-Partnerschaft

Vom hierarchischen zum partnerschaftlichen Weltbild

Die Scala Naturae, die Stufenleiter der Natur, prägte über Jahrhunderte das europäische Denken. Diesem Konzept zufolge können alle Gegenstände in einer hierarchisch organisierten Reihe vom niedersten bis zum höchsten angeordnet werden. Obwohl die Biologie dieses Konzept längst überwunden hat, wirkt die hierarchische Sichtweise bis in die Gegenwart nach.

Um die Mensch und Natur Verbindung zu heilen, müssen wir dieses hierarchische Weltbild überwinden. Eine resonante Beziehung zwischen Mensch und nichtmenschlicher Natur setzt voraus, dass sich beide Seiten quasi auf Augenhöhe begegnen. Der Mensch muss sich wieder berühren lassen von den Auswirkungen, die der Natur durch nicht nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweisen widerfahren.

Wenn wir Werte wie Mitgefühl und Fürsorge verinnerlichen und Natur als Partnerin anerkennen, empfinden wir nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweisen nicht mehr als Verzicht, sondern als Teil eines guten Lebens. Denn wenn es meinem Partner oder meiner Partnerin gut geht, dann geht es auch mir gut.

Relationale Werte als Grundlage

Die Mensch-Natur-Beziehung bekam lange Zeit wenig Aufmerksamkeit in der wissenschaftlichen Diskussion zu Umweltmanagement und Nachhaltigkeit. Das Konzept der relationalen Werte bietet eine Möglichkeit, die alleinige Zweiteilung von Werten zu erweitern und damit Gegensätze aufzubrechen. Relationale Werte beziehen sich auf alle Arten von Beziehungen zwischen Menschen und der Natur. Der Wert von Objekten ist nicht in den Objekten selbst enthalten, sondern er ergibt sich aus der Beziehung zu ihnen.

Das IPBES ist im Begriff, die relationalen Werte in ihre Bezugsrahmen und Strukturen einzugliedern. Die Berücksichtigung von relationalen Werten hat in der Literatur der Naturschutzpolitik der vergangenen Jahre grossen Anklang gefunden.

Transformation als gemeinsame Gestaltungsaufgabe

Die gesamtgesellschaftliche Transformation von Werten und Verhalten in der Beziehung von Mensch und Natur ist zugleich untrennbar mit der digitalen Transformation verknüpft. Wir müssen gesellschaftliche, politische und kulturelle Dimensionen von Natur beleuchten und untersuchen, welche Zugänge, Narrative und Praktiken der Mensch-Natur-Beziehungen es im Anthropozän braucht. Globale politische Zielvorgaben wie die Sustainable Development Goals vernachlässigen dabei den nötigen inneren Wandel, damit die Erreichung realistisch wird.

Schlussfolgerung

Die Mensch und Natur Verbindung ist keine abstrakte philosophische Frage, sondern eine praktische Überlebensfrage. Wir haben gesehen, dass die bisherige hierarchische Sichtweise gescheitert ist. Gleichzeitig zeigen uns die vier Prinzipien der Partnerschaft einen gangbaren Weg: Beziehungen in den Mittelpunkt stellen, Koexistenz ermöglichen, Grenzen respektieren und mit Komplexität umgehen.

Wichtig zu verstehen ist, dass jeder von uns heute beginnen kann. Der eigene Garten, bewusste Naturbeobachtungen oder die Beteiligung an lokalen Projekten sind konkrete erste Schritte. Die Transformation gelingt nur gemeinsam, wenn wir Natur nicht mehr als Objekt, sondern als Partnerin begreifen.

FAQs

Q1. Was bedeutet die Verbindung zwischen Mensch und Natur? Die Mensch-Natur-Verbindung ist ein mehrdimensionales Konzept, das beschreibt, wie Menschen ihre Beziehung zur natürlichen Umwelt wahrnehmen und erleben. Diese Verbindung umfasst materielle, emotionale, kognitive und erfahrungsbezogene Aspekte und beeinflusst massgeblich, wie wir mit der Natur umgehen und sie schützen.

Q2. Warum ist die Beziehung zwischen Mensch und Natur so wichtig? Menschen sind untrennbar mit der Natur verbunden und abhängig von den Leistungen, die Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen erbringen. Diese Ökosystemleistungen sind für unser Überleben essentiell. Ein besseres Verständnis dieser Verbindung ist entscheidend, um die Folgen des Biodiversitätsverlusts zu begreifen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.

Q3. Wie hat sich die Mensch-Natur-Beziehung historisch entwickelt? Die Geschichte zeigt, dass die Verbindung zwischen Mensch und Natur ursprünglich emotional, nährend und tiefgründig war. Durch Industrialisierung und Urbanisierung hat sich diese Beziehung jedoch gewandelt – von einer partnerschaftlichen zu einer hierarchischen Sichtweise, in der Natur primär als Ressource betrachtet wird.

Q4. Was können wir konkret tun, um unsere Verbindung zur Natur zu stärken? Es gibt viele praktische Möglichkeiten: Den eigenen Garten naturnah gestalten, bewusst die Natur im direkten Umfeld beobachten, an lokalen Naturschutzprojekten teilnehmen oder Naturerfahrungsräume in der Stadt nutzen. Bereits kleine Schritte wie das Anlegen von Wildblumenwiesen oder das Beobachten heimischer Vogelarten können die Verbindung vertiefen.

Q5. Welche Rolle spielt Bildung für die Mensch-Natur-Beziehung? Bildung ist fundamental für den Aufbau einer nachhaltigen Beziehung zur Natur. Naturpädagogische Programme, Ferienlager und Umweltbildungsangebote vermitteln nicht nur Wissen über Ökosysteme, sondern fördern auch emotionale Bindungen. Besonders wichtig sind frühe Naturerfahrungen, da etwa 80% der kindlichen Naturverbundenheit auf familiäre Einflüsse zurückgehen.