Artenvielfalt schützen: Wirksame Massnahmen für jeden Naturfreund

Die Artenvielfalt steht weltweit unter Druck. In der Schweiz sind fast die Hälfte der rund 230 Lebensraumtypen bedroht, und die biologische Vielfalt verschlechtert sich zusehends. Klimawandel, Lebensraumverlust und intensive Landnutzung setzen unseren Ökosystemen zu. Die gute Nachricht: Zwei Drittel der Studien zur Wirksamkeit von Naturschutzmassnahmen zeigen bessere Biodiversität durch gezielte Eingriffe.

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie aktiv werden können. Wir erklären die Artenvielfalt Bedeutung für unser Ökosystem, stellen praktische Massnahmen für Garten und Balkon vor und zeigen, wie Sie durch Unterstützung von Organisationen wie der Stiftung Pro Artenvielfalt oder Teilnahme am Tag der Artenvielfalt einen Beitrag leisten. Besonders die Artenvielfalt tropischer Regenwald und lokaler Lebensräume verdient unsere Aufmerksamkeit.

Artenvielfalt Bedeutung: Warum Biodiversität schützen?

Was ist Artenvielfalt?

Artenvielfalt umfasst die Vielfalt an Tieren, Pflanzen, Pilzen, Flechten und Mikroorganismen in einem Lebensraum. Sie bildet einen Teil der Biodiversität, die neben der Artenvielfalt auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten sowie die Vielfalt der Ökosysteme einschliesst. Die Schweiz weist auf ihrer relativ kleinen Fläche rund 46.000 Arten von Pflanzen, Tieren und Pilzen auf. Diese Vielfalt erklärt sich aus der markanten Topografie, die Lebensräume von 200 Meter über Meer bis zu über 4.000 Meter mit Schnee und Permafrost umfasst.

Funktionen der Biodiversität für Mensch und Natur

Biodiversität bildet unsere Lebensgrundlage. Natürliche Lebensräume versorgen uns mit Nahrung und Trinkwasser, liefern Fasern für Kleidung und Grundstoffe für Arzneien. Weltweit werden rund 70.000 Pflanzenarten für medizinische Zwecke genutzt. Zudem regulieren Wälder, Moore und Ozeane das Klima durch Kohlendioxidbindung, während Bienen und andere Insekten Pflanzen bestäuben und Erträge sichern. Der Wert der Bestäubungsleistung in der Schweiz liegt zwischen 205 und 479 Millionen Franken pro Jahr. Artenreiche Ökosysteme sind widerstandsfähiger gegen Krankheiten und erholen sich nach Störungen schneller.

Aktuelle Bedrohungen der Artenvielfalt

Die Situation ist kritisch. In der Schweiz sind 255 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten bereits ausgestorben, und 36 Prozent aller Arten stehen auf der Roten Liste. Der Living Planet Index konstatierte 2014, dass die Artenvielfalt zwischen 1970 und 2010 um 52 Prozent gesunken ist. Schätzungsweise 60 Prozent der weltweiten Ökosysteme haben sich in den letzten 50 Jahren verschlechtert. Hauptbedrohungen sind Lebensraumverlust durch Waldrodung und intensive Landwirtschaft, Übernutzung durch Überfischung, Verschmutzung durch Pestizide sowie der Klimawandel.

Die Rolle jedes Einzelnen beim Artenschutz

Jeder Mensch kann zum Artenschutz beitragen. Durch naturnahe Gärten, bewusstes Einkaufen und Rücksicht bei Freizeitaktivitäten leisten wir wichtige Beiträge. Organisationen wie Pro Natura fördern bedrohte Arten durch Projekte und Freiwilligeneinsätze. Nachhaltige Konsumentscheidungen und die Teilnahme an Naturschutzprojekten verstärken den Schutz der Artenvielfalt.

Wirksame Massnahmen für Garten und Balkon

Wer Artenvielfalt im eigenen Garten oder auf dem Balkon fördern möchte, findet zahlreiche wirksame Ansätze. Bereits kleine Flächen können wichtige Refugien für bedrohte Arten werden.

Insektenfreundliche Pflanzen und Blumenwiesen anlegen

Einheimische Wildpflanzen bilden die Basis eines artenreichen Gartens. Insekten sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen, denn nicht nur Nektar und Pollen, sondern auch Stängel und Blätter dienen als Nahrung und Nistmaterial. Frühblüher wie Märzenbecher, Schneeglöckchen und Winterling versorgen Wildbienen bereits ab März. Kräuter wie Salbei, Thymian und Katzenminze sowie Stauden wie Natternkopf, Mädesüss und Wiesensalbei bieten durchgehend Nahrung. Blumenwiesen bestehen aus mindestens 30 verschiedenen Arten und benötigen magere Böden in voller Sonne. Bei nährstoffreichen Böden lohnt sich das Einarbeiten einer 5 bis 10 Zentimeter dicken Sandschicht.

Naturnahe Strukturen schaffen

Kleinstrukturen wie Ast-, Laub- und Steinhaufen schaffen Lebensraum für zahlreiche Tiere. Asthaufen dienen Igeln als Versteck, Rotkehlchen und Zaunkönig als Brutplatz sowie Amphibien als Winterquartier. Steinhaufen an sonnigen Standorten beherbergen Eidechsen, während schattige Plätze Frösche und Molche anziehen. Totholz, vom umgefallenen Baum bis zum Baumstrunk, wird von Pilzen, Moosen und Wildbienen besiedelt. Trockenmauern bieten Mauereidechsen Sonnenplätze und zahlreichen Insekten Verstecke.

Wildwuchs zulassen und Rasenflächen reduzieren

Naturnahe Gärten benötigen Bereiche, die sich frei entwickeln dürfen. Wilde Ecken hinter dem Kompost oder zwischen Beeten bieten Brennnesseln Raum, die als Futterpflanze für Schmetterlinge unerlässlich sind. Bereits vier ungemähte Quadratmeter fördern die Artenvielfalt merklich. Zweimaliges Mähen pro Jahr zwischen Ende Juni und Juli sowie im September genügt, wobei nur 80 Prozent der Fläche gemäht werden sollten. Das Schnittgut bleibt zwei bis vier Tage liegen, damit Samen in den Boden gelangen.

Verzicht auf Pestizide und chemische Dünger

In Deutschland sind 27 Prozent der Grundwasserkörper wegen zu hoher Nitratwerte nicht im geforderten guten Zustand. Chemischer Dünger tötet die Bodenfauna ab, wodurch natürliche Nährstoffkreisläufe zusammenbrechen. Kompost versorgt Pflanzen mit allen benötigten Nährstoffen und verbessert die Bodenstruktur. Brennnesseljauche wirkt als natürlicher Dünger und bekämpft frisch angesetzt Blattläuse.

Nisthilfen und Winterquartiere einrichten

Etwa 20 Prozent der Wildbienen nutzen Hohlräume zum Nisten. Hartholzblöcke mit Bohrungen von drei bis acht Millimeter Durchmesser, Bambus- oder Schilfröhren sowie markhaltige Pflanzenstängel bieten Nistmöglichkeiten. Dreiviertel der Wildbienen nistet jedoch im Boden, weshalb offene Bodenstellen und Sandflächen wichtig sind. Laubhaufen dienen Igeln als Winterquartier, während Insekten in stehen gelassenen Staudenhalmen überwintern.

Wasser- und Nahrungsquellen bereitstellen

Insekten benötigen Wasser zum Trinken, Nestbau und zur Kühlung. Eine flache Schale mit Steinen, Zweigen und Moos als Landemöglichkeiten verhindert das Ertrinken. Das Wasser sollte täglich gewechselt werden, um Krankheitserreger zu vermeiden. Vogeltränken benötigen einen breiten Rand und sollten an gut einsehbaren Orten platziert werden.

Artenvielfalt im grösseren Rahmen fördern

Über den eigenen Garten hinaus bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, artenvielfalt in grösserem Rahmen zu fördern.

Unterstützung von Naturschutzorganisationen und Stiftung Pro Artenvielfalt

Der WWF engagiert sich seit mehr als 60 Jahren für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die Rote Liste zeigt 175.909 Arten, davon sind mehr als 49.500 bedroht. Die Stiftung Pro Artenvielfalt setzt sich in Südeuropa aktiv gegen illegalen Vogelmord ein, insbesondere in Vogelschutzcamps in Zypern und Italien. In der Schweiz fördert die Stiftung verletzte Wildtiere durch Rettungsstationen und baut Feuchtgebiete als sichere Rastplätze für Zugvögel entlang europäischer Vogelzugrouten aus. Mit dem Umbau ausgedienter Trafostationen zu Artenschutztürmen entstehen Nistmöglichkeiten für bis zu 30 Tierarten.

Teilnahme am Tag der Artenvielfalt

Seit 2004 führt das Naturama Aargau gemeinsam mit dem Kanton den Tag der Artenvielfalt durch. Der nächste Anlass findet 2027 statt. In Luzern veranstalten Pro Natura, BirdLife und WWF Luzern seit 2016 regelmässig solche Tage, die durch ehrenamtlichen Einsatz lokaler Naturschützer möglich werden. Diese Veranstaltungen schaffen Raum für Austausch und lassen aus einzelnen Ideen gemeinsame Projekte entstehen.

Bewusstsein schaffen und Wissen weitergeben

Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt formulierte das Ziel, dass für mindestens 75 Prozent der Bevölkerung die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu den prioritären gesellschaftlichen Aufgaben zählen soll. Menschen, die um den Wert der biologischen Vielfalt wissen, machen sich für ihren Erhalt stark.

Nachhaltige Konsumentscheidungen treffen

Bei flexitarischer Ernährung reduziert sich der Biodiversitäts-Fussabdruck um 25 Prozent, bei vegetarischer Ernährung um 59 Prozent und bei veganer Ernährungsweise um 63 Prozent. Darüber hinaus hilft der Verzicht auf Plastikverpackungen beim Einkauf.

Besondere Lebensräume und ihre Bedeutung

Artenvielfalt Tropischer Regenwald: Globale Verantwortung

Tropische Regenwälder beherbergen zwischen 40 und 70 Prozent aller auf der Erde lebenden Arten, obwohl sie nur sieben Prozent der Landfläche bedecken. Rund die Hälfte aller bekannten Tier- und Pflanzenarten lebt in diesen Wäldern. Die biologische Vielfalt nimmt von den Polen zum Äquator hin zu, wobei tropische Regenwälder und Korallenriffe die artenreichsten Ökosysteme bilden. Wälder bedecken knapp ein Drittel der Erdoberfläche und sind Heimat für 80 Prozent der bekannten Tier- und Pflanzenarten ausserhalb der Weltmeere.

Artenvielfalt Regenwald schützen durch bewussten Konsum

Die langfristige Umwandlung von Wald in Ackerfläche, Weideland oder Infrastruktur gefährdet diese Vielfalt massiv. Importierte Rohstoffe wie Soja, Palmöl und Rindfleisch aus der EU tragen erheblich zum Entwaldungsdruck bei. Folglich müssen entwaldungsfreie Produkte auf dem europäischen Markt zur Norm werden.

Lokale Ökosysteme und ihre Schutzwürdigkeit

Die Schweiz zählt rund 230 verschiedene Lebensraumtypen. Seit 1900 nimmt die biologische Vielfalt stetig ab, und rund die Hälfte der natürlichen Lebensräume ist bedroht. Funktionsfähige und artenreiche Ökosysteme bilden die Grundlage unseres Lebens.

Schlussfolgerung

Artenvielfalt zu schützen mag zunächst komplex erscheinen, doch wie wir gezeigt haben, kann jeder von uns wirksam beitragen. Grundsätzlich beginnt der Schutz im eigenen Garten durch einheimische Pflanzen und naturnahe Strukturen. Durch Unterstützung von Organisationen wie der Stiftung Pro Artenvielfalt und bewusste Konsumentscheidungen verstärken wir unseren Einfluss. Handeln Sie jetzt – für die Artenvielfalt tropischer Regenwald und lokaler Lebensräume. Unsere Ökosysteme werden es uns danken.

FAQs

Q1. Welche konkreten Schritte kann ich in meinem Garten unternehmen, um Insekten zu unterstützen? Pflanzen Sie einheimische Wildpflanzen wie Frühblüher (Schneeglöckchen, Winterling) und Kräuter (Salbei, Thymian). Legen Sie Blumenwiesen mit mindestens 30 verschiedenen Arten an und schaffen Sie Kleinstrukturen wie Ast-, Laub- und Steinhaufen. Verzichten Sie auf Pestizide und chemische Dünger, stellen Sie Nisthilfen bereit und lassen Sie wilde Ecken mit Brennnesseln zu. Auch Wasserstellen mit Steinen als Landemöglichkeiten helfen Insekten beim Überleben.

Q2. Wie kann ich durch mein Konsumverhalten zum Schutz der Artenvielfalt beitragen? Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum – eine flexitarische Ernährung verringert den Biodiversitäts-Fussabdruck um 25 Prozent, vegetarische um 59 Prozent und vegane um 63 Prozent. Achten Sie beim Einkauf auf entwaldungsfreie Produkte und vermeiden Sie Rohstoffe wie Palmöl, Soja und Rindfleisch aus Regenwaldgebieten. Verzichten Sie zudem auf Plastikverpackungen, um die Umweltbelastung zu minimieren.

Q3. Warum ist die Artenvielfalt so wichtig für uns Menschen? Biodiversität bildet unsere Lebensgrundlage: Sie versorgt uns mit Nahrung, Trinkwasser und Arzneien – weltweit werden 70.000 Pflanzenarten medizinisch genutzt. Wälder und Moore regulieren das Klima durch Kohlendioxidbindung, während Bienen und Insekten Pflanzen bestäuben und Erträge sichern. Allein in der Schweiz liegt der Wert der Bestäubungsleistung bei 205 bis 479 Millionen Franken jährlich. Artenreiche Ökosysteme sind zudem widerstandsfähiger gegen Krankheiten.

Q4. Welche Rolle spielen tropische Regenwälder für die globale Artenvielfalt? Tropische Regenwälder beherbergen 40 bis 70 Prozent aller auf der Erde lebenden Arten, obwohl sie nur sieben Prozent der Landfläche bedecken. Rund die Hälfte aller bekannten Tier- und Pflanzenarten lebt in diesen Wäldern. Sie zählen neben Korallenriffen zu den artenreichsten Ökosystemen der Welt und sind daher von enormer Bedeutung für die globale Biodiversität.

Q5. Wie oft sollte ich meinen Rasen mähen, um die Artenvielfalt zu fördern? Mähen Sie nur zweimal pro Jahr – zwischen Ende Juni und Juli sowie im September. Dabei sollten Sie nur 80 Prozent der Fläche mähen und wilde Bereiche stehen lassen. Lassen Sie das Schnittgut zwei bis vier Tage liegen, damit Samen in den Boden gelangen können. Bereits vier ungemähte Quadratmeter fördern die Artenvielfalt merklich und bieten wichtigen Lebensraum für Insekten und andere Tiere.